Sportschau
12. oktober 2026

Stand: 12.10.2026 • 18:19 Uhr
Auch das zweite Testspiel der DFB-Frauen in der WM-Saison hat es in sich: Die Mannschaft von Christian Wück empfängt am Dienstag in Bremen Japan. Die Hansestadt ist ein gutes Pflaster - der Bundestrainer gerät richtig ins Schwärmen.
Als der 53-Jährige das Weserstadion betritt und an der Seitenlinie entlanggeht, scheint die Sonne - und auch über das Gesicht des Bundestrainers huscht ein Strahlen. Man sieht ihm sofort an, dass dieses Stadion für ihn ein besonderer Ort ist.
"Es ist wunderschön, die Bedingungen sind optimal. Wir freuen uns unheimlich auf das Spiel mit dem Wissen, dass wir im letzten Jahr gegen die Niederlande hier eine tolle Atmosphäre und ein tolles Spiel erlebt haben", sagt Wück, dessen Team Ende Mai 2025 in der Nations League einen 4:0-Sieg gefeiert hat.
Er habe "nur positive Erinnerungen" an Bremen und ist sich sicher, dass sich "alle, die gegen die Niederlande dabei waren", auf das Spiel gegen Japan (Dienstag/17.45 Uhr, live im Ersten und im Livestream bei sportschau.de) freuen - "auf dieses Stadion und diese Fans. Und ich hoffe, dass wir das ansatzweise wieder erleben werden."
Dass es Stand jetzt "nur" knapp 25.000 Zuschauer sein werden und nicht wie vor eineinhalb Jahren über 32.000, schmälert die Vorfreude nicht. Schon das Spiel in Karlsruhe habe gezeigt, dass die Rückkehr zu den Stehplätzen noch mal einen Stimmungsschub gibt.

Im ersten Spiel der Länderspielreihe hatten die DFB-Frauen am Freitag gegen Australien einen 4:2-Erfolg gefeiert. Jetzt ist der Gegner also Japan - das in diesem Jahr eben jene Australierinnen im Finale der Asienmeisterschaft mit 1:0 besiegt hat. Der Bundestrainer rechnet wie schon gegen die "Matildas" mit einem engen Spiel. Die Teams seien auf einem ähnlichen Niveau.
Wenn die Japanerinnen Zeit und Platz haben, sind sie kaum zu stoppen.
Nationalspielerin Franziska Kett
"Es erwartet uns aber eine andere Mannschaft. Die Japanerinnen sind am Ball mit die Stärksten auf der Welt", sagte Wück, der da allenfalls noch die Spanierinnen ähnlich stark sieht. "Da müssen wir Mittel und Wege finden, überhaupt an den Ball zu kommen."
Franziska Kett und ihre Mitspielerinnen aus München können davon ein Lied singen - spielt mit Momoko Tanikawa doch eine dieser ballsicheren Akteuerinnen ebenfalls beim FC Bayern. "Ich sehe sie jeden Tag. Momoko macht Sachen, die nicht viele können. Sie ist noch sehr jung, aber schon Weltklasse und hat ein riesiges Potenzial", unterstrich Kett. "Wir müssen aber auch zeigen, wo wir stehen und was wir können."

Dass ist der 21-Jährigen selbst seit ihrem Debüt vor eineinhalb Jahren sehr gut gelungen. Der Bundestrainer hatte ihr vor der EM durchaus überraschend das Vertrauen geschenkt, als sie in München noch gar keine Stammspielerin war. "Er hat mir die Chance gegeben", freut sich Kett noch heute. Seitdem sei "sehr viel passiert". Zeit, über ihre rasante Entwicklung nachzudenken, sei da bisher kaum gewesen. Aber klar ist: "Es macht mich stolz, für Deutschland zu spielen."
Und um ein Haar hätte es für die Linksverteidigerin gegen Australien mit ihrem ersten Länderspiel-Tor geklappt. Ihr Kopfball war auf dem sicheren Weg ins Netz ("Ich glaube, es war mein erster Kopfball im gegnerischen Strafraum überhaupt."), dann klaute ihre Stürmerin Melissa Kössler auf der Linie das Tor, hielt selbst noch den Fuß rein. "Sie hat sich danach bei mir entschuldigt", berichtete Kett lachend, ist ihrer Kollegin aber auch nicht böse. "Ich habe mich sehr für Melissa gefreut."

Ob Kössler wieder von Beginn an als Mittelstürmerin auflaufen wird, wollte Wück genauso wie die Torhüterinnenfrage nicht bantworten. Fest steht aber, dass Kössler gegen Australien mächtig Werbung in eigener Sache gemacht hat.
Die 26-Jährige, die ihr Geld mittlerweile in Denver verdient, erarbeitete sich nicht zuletzt wegen ihrer beiden ersten Tore im Nationalteam ein Sonderlob ihres Trainers: "Wenn man als Mittelstürmerin zwei Tore macht, so agiert in den Zweikämpfen, Bälle verteidigt und verteilt, dann ist das genau das, was wir in unserem Spielsystem brauchen. Sie wird den anderen Stürmerinnen gehörig Druck machen."
Wir brauchen eine körperlich starke Spielerin, die Bälle verteilen kann, die torgefährlich ist und sich im Eins-gegen-eins durchsetzen kann. So eine eierlegende Wollmilchsau wünscht man sich natürlich.
Bundestrainer Christian Wück
Kösslers Vorteil ist, dass diese "anderen Stürmerinnen" gerade allesamt zumindest nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind: EM-Entdeckung Giovanna Hoffmann (VfL Wolfsburg) fehlt nach wie vor verletzt, auch Larissa Mühlhaus (Eintracht Frankfurt) musste angeschlagen passen.
Nicole Anyomi (London City Lionesses) hat nach ihrer Verletzung noch nicht wieder so viel gespielt. Und nachdem dann auch noch Lea Schüller (Manchester United) wegen eines Infekts von der Nationalmannschaft abreisen musste, nominierte Wück kurzerhand Shekiera Martinez (Tottenham Hotspur) nach.
Aber auch wenn es gegen Japan wieder "nur" ein Testspiel ist, unterstrich Wück schon mit Blick auf die WM im kommenden Jahr in Brasilien die Bedeutung der Partie. Es sei "für die Entwicklung der Mannschaft unheimlich wichtig", die Möglichkeit zu nutzen, gegen außereuropäische Gegner zu testen. "Weltmeisterschaften finden auf einem vollkommen anderen Niveau statt." Er sei froh, den Spielerinnen "diese Erfahrungen geben zu können".
Während andere Nationen noch um die WM-Qualifikation zittern und in die Play-offs müssen, haben die Deutschen sich als Siegerinnen ihrer Gruppe schon direkt qualifiziert. Auch das Länderspielfenster im Dezember soll noch einmal dazu genutzt werden, sich auf das Turnier in Brasilien vorzubereiten.
Erst mal liegt der Fokus jetzt auf Japan. "Ich denke, es wird ein Spiel auf sehr hohem Niveau werden", sagte Wück, der sein Team nicht nur mithalten sehen will, es soll den Japanerinnen das Leben sehr schwer machen.
Und wer weiß, vielleicht wird es dann wieder so ein unvergesslicher Abend wie im Spiel gegen die Niederlande. Die DFB-Frauen sind jedenfalls fest entschlossen, ihren Teil dazu beizutragen. "Wir merken einfach, dass wir mit unserer Art Fußball zu spielen, ein Stadion begeistern können. Und wir hoffen, dass uns das gegen Japan wieder gelingt", betonte der Bundestrainer. "Die Voraussetzungen dafür sind definitiv da."
Dieses Thema im Programm: NDR Info | Sport aktuell | 12.10.2026 | 18:17 Uhr
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