Sportschau
11. oktoober 2026

Stand: 11.10.2026 • 12:16 Uhr
Der 1. FC Magdeburg besiegt Hannover 96 deutlich und beeindruckt mit neuer Reife, Defensive und Effizienz. Warum Trainer Petrik Sander vom Potenzial seines Teams begeistert ist.
Man stelle sich einen Hutverkäufer vor, wie man ihn häufig in Badeorten in Strandnähe trifft. Und daneben FCM-Trainer Petrik Sander, der gleich einen ganzen Stapel der Kappen erwirbt. Zu einem guten Preis natürlich.
Nun liefen aufgrund des spätsommerlichen Wetters am Samstag in Magdeburg schon einige Fans oberkörperfrei herum – ein Bild, was man aus besagten Badeorten kennt. Vom Strand und den Hutverkäufern war jedoch weit und breit nichts zu sehen. Petrik Sander jedoch kam nach dem Sieg seines Teams gegen Hannover 96 aus dem Hüteziehen gar nicht mehr heraus.

Im Gespräch mit SPORT IM OSTEN war zunächst von einem Hut die Rede, den er vor der Leistung seiner Mannschaft ziehe. Später, auf der Pressekonferenz, waren es dann schon zwei. Der Trainer des 1. FC Magdeburg suchte sichtlich nach Worten, um zu beschreiben, was beim 3:0-Heimerfolg der Blau-Weißen passiert war.
Ein Wort, das dabei immer wieder fiel, war "Qualität". Und der FCM im Herbst 2026 hat erkennbar eine andere Qualität als in den Jahren zuvor. Das belegen vier Siege aus den vergangenen sechs Spielen. "Die Mannschaft ist überzeugt von dem, was sie tut", sagt Sander. "Das Vertrauen in die Qualität ist in den Spielern selbst drin. Das wurde nicht von uns reinimplementiert. Sondern sie sind sich bewusst, dass sie das gut können. Und was sie nicht so gut können, lassen sie weg."
Torschütze Moritz Broni Kwarteng schlägt in die gleiche Kerbe: "Wir haben so viele Charaktere, so viel Mischung und eine Ausgewogenheit. Das macht ultra viel Spaß jeden Tag."
Doch wie genau äußert sich diese "neue Qualität" beim 1. FCM? Da liefert das Spiel gegen Hannover gleich mehrere Anhaltspunkte. Die Gäste kamen hochmotiviert aufs Feld und übernahmen direkt die Initiative. Der FCM konzentrierte sich also zunächst aufs Verteidigen und tat dies über 90 Minuten mit viel Fleiß und Disziplin. So verdiente er sich das Glück, das bei Herbert Bockhorns Rettungstat in Halbzeit eins und beim Pfostentreffer im zweiten Durchgang half.

Die Spieler zeigen es an: so stark ist der FCM aktuell.
Zudem bewies der Club Leidensfähigkeit, denn die Gäste versuchten, die Blau-Weißen in der Anfangsphase auch mit Härte zu beeindrucken. Anders als in den Vorjahren hat der FCM aber aktuell Typen, die besser dagegenhalten können. Luka Hyryläinen ist so einer. Der Finne gewann viele wichtige Zweikämpfe und noch mehr Kopfballduelle. Zudem waren seine Ballgewinne immer wieder Ausgangspunkt für die Konter des FCM.
Diese Umschaltsituationen gehören ebenfalls zu den neuen Qualitäten beim 1. FC Magdeburg. 90 Minuten lang suchten die Spieler nach fast jeder Balleroberung den Weg in die Tiefe. Atiks Spielwitz, Zukowskis Robustheit und Tempo und Kwartengs Cleverness bildeten dabei eine Mischung, der die 96-Abwehr kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Beeindruckend war in diesem Spiel vor allem die Konsequenz, mit der der FCM seine Idee durchzog.
Die Zeiten von hohem Aufwand, noch höheren Ballbesitzwerten und bisweilen sehr geringem Ertrag scheinen in Magdeburg vorbei zu sein. Stattdessen zeigt sich der Club pragmatischer, überlässt dem Gegner öfter mal die Spielgestaltung. Nur, um dann auf Fehler zu lauern und die größeren Räume mit hoher Geschwindigkeit zu nutzen.

Diese Entwicklungen waren, mit Abstufungen, auch schon in den Heimspielen gegen Kaiserslautern und Kiel zu sehen. Sie führen zu einer weiteren Qualität, für die sich der FCM derzeit rühmen kann. Denn nach den bisweilen äußerst dürftigen Heimauftritten der vergangenen Jahre präsentiert sich der FCM im Heinz-Krügel-Stadion derzeit ungewohnt stabil. Eine Serie von drei Siegen zuhause belegt das.
Auch Moritz Broni Kwarteng hat festgestellt: "Wir waren in den letzten Jahren nicht als Heimmacht bekannt. Aber wir wissen um die Power der Kulisse. Und wir haben uns vor der Saison vorgenommen, hier den nächsten Step zu machen. Übernächste Woche werden wir dann wieder versuchen, zu Hause eine Art Festung zu bilden."
Bevor der FCM seinen neuen Heimnimbus erneut unter Beweis stellen kann, steht jedoch noch eine andere, äußerst knifflige Aufgabe bevor. Am kommenden Sonntag reisen die Blau-Weißen zum Elb-Clasicó nach Dresden (live im MDR-Ticker | Audiostream).
Dort hat Magdeburg nach der Niederlage im Januar noch eine Rechnung zu begleichen. Doch im Bus befindet sich eine ganze Kiste neuer Qualitäten, auf die der FCM im Derby zurückgreifen kann. Und womöglich auch ein ganzer Stapel Hüte, die Petrik Sander im Falle eines weiteren Sieges ziehen kann.
Dieses Thema im Programm: SPORT IM OSTEN | MDR.de | FCM-Coach Sander: "Vor dieser Qualität ziehe ich den Hut" | 10.10.2026 17:03
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