Sportschau
2026 m. spalio 12 d.

Stand: 12.10.2026 • 07:14 Uhr
Sieben Spiele, sieben Siege und bereits sieben Punkte Abstand auf Platz drei – Hertha BSC reitet nach dem 2:1-Heimsieg gegen Fürth weiter auf einer unglaublichen Erfolgswelle. Doch wie weit Hertha in seiner Entwicklung gekommen ist, zeigte sich vor allem nach dem Spiel.
Wir Menschen sehnen uns nach Erklärungen. Wir wollen verstehen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Zustandsbeschreibungen wie Glück oder Zufall sind kaum befriedigend, weil sie keine Selbstwirksamkeit oder Kontrolle beinhalten. Notfalls muss eben das Schicksal als Begründung herhalten – ein großer kosmischer Plan für alles.
Womöglich fangen manche Fans von Hertha BSC spätestens nach dem 2:1-Heimsieg ihrer Mannschaft gegen die Spielvereinigung aus Fürth an, an solche Fügungen zu glauben. Denn wie um Himmels Willen soll der siebte Sieg im siebten Ligaspiel der "alten Dame" noch logisch zu erklären sein? Wirklich nichts scheint den Erfolg der Blau-Weißen aufhalten zu können, ja nicht einmal die bislang schwächste Saisonleistung.
Fußball-Fans haben für solch eine absurde Dynamik zum Glück ein Wort, das immer greift: Momentum. Oder umgangssprachlicher: Wenn's läuft, dann läuft's. Und beim Tabellenführer aus Berlin läuft's.
In den vergangenen Partien war es bemerkenswert, mit welchem Selbstvertrauen Hertha auftrat. Spieler wie Jon Dagur Thorsteinsson oder Kevin Sessa wirkten wie ausgewechselt, die neue Spielweise hatte ihnen in Kombination mit ersten Erfolgserlebnissen eine ungeahnt breite Brust verliehen. Doch die Leistung gegen Fürth zeigte, dass Selbstverständnis nicht selbstverständlich ist – es muss sich immer wieder hart erarbeitet werden.
Am Sonntagnachmittag war bei den Berlinern von Beginn Sand im Getriebe, kaum etwas wollte mit der Leichtigkeit der Vorwochen funktionieren. Mit Ball agierte Hertha ungewohnt fahrig. Fürth reichte es oft, die beiden Innenverteidiger anzulaufen und Berlins Regisseur Paul Seguin in permanente Manndeckung zu nehmen, um das blau-weiße Aufbauspiel lahmzulegen.
Dabei half auch nicht, dass nur acht der insgesamt 27 weiten Abschläge von Torhüter Marius Gersbeck den eigenen Mann fanden. Die Abstände zwischen Verteidigung und Mittelfeld waren zu groß und Mittelstürmer Luca Schuler gelang es zu selten, die Kugel festzumachen, um seine Mitspieler nachrücken zu lassen.
So war das Spielgerät in unschöner Regelmäßigkeit nach nur wenigen Sekunden weg, Heimteam Hertha konnte keine Dominanz aufbauen und sich viel zu selten in der Fürther Hälfte festsetzen. Am Spielende hatten die Franken als Gast 58 Prozent des Ballbesitzes und eine um fünf Prozent bessere Passquote.
Das Spiel mit Ball hakte so sehr wie vielleicht noch nie in der laufenden Saison. Hatte Kapitän Josip Brekalo keinen Geistesblitz, blieb die "alte Dame" meist bemerkenswert harmlos. Aber auch im Spiel gegen den Ball ließ der Tabellenführer die zuletzt gewohnte Souveränität vermissen.
Das Pressing wirkte schwerfällig, setzte Fürth selten unter Druck. Die Abstände zwischen den Ketten war oft zu groß und auch die Tiefe verteidigte der Hauptstadtklub unzureichend. Fürth fiel es viel zu leicht, mit einfachen Kombinationen bis vor Herthas Strafraum zu kommen und immer wieder Momente für Unterschiedsspieler Felix Klaus zu schaffen. Fürth war oftmals schlicht zwingender. So hatte Hertha mehrmals Glück, nicht in Rückstand geraten zu sein.
"Die Art und Weise, wie wir ins Spiel gekommen sind, hat mir überhaupt nicht gefallen. Auch wenn wir Chancen hatten, war es in der Ernsthaftigkeit, Intensität und Zweikampfführung nicht so, wie ich es mir wünsche", kritisierte Trainer Leitl seine Mannschaft scharf. Er hatte allen Grund dazu, bis auf ein paar Torchancen hatten ideenlose Berliner wenig auf der Haben-Seite.
Und warum hat Hertha am Sonntagnachmittag dann mit 2:1 gewonnen? Nun, weil Fußball eben nicht immer zu erklären ist und das Momentum seine eigene Kraft entwickelt. Fürth hätte mehrmals in Führung gehen können, war in mehr Phasen das bessere Team. Stünde das "Kleeblatt" an der Tabellenspitze, hätten sie vermutlich das glücklichere Ende genommen. So aber jubelte Hertha. Womöglich aber auch, weil Fußball eine Frage der Qualität ist.
Das 1:0 durch Mads Pedersen mag in der 65. Minute aus dem Nichts gefallen sein, sonderlich glücklich war es aber nicht. Zwei Minuten vor dem Treffer hatte Leitl unter anderem Neuzugang Gustaf Nilsson für den zuvor abermals blassen Schuler in die Partie gebracht. Der Schwede zeigte sogleich, warum er in absehbarer Zeit Herthas Stammstürmer werden dürfte.
"Wir hatten beim Tor mit Gustaf Nilsson einen Stürmer auf dem Feld, der den Ball sensationell festmacht und gut in der Spielfortsetzung ist", so Leitl nach Abpfiff. Von Nilsson ging der Ball zu Brekalo, der im perfekten Moment auf Pedersen ablegte. Der dänische Linksverteidiger versenkte den Ball technisch herausragend per Außenrist ins rechte Toreck.
Auch der feine Distanzschuss von Paul Seguin zum 2:0 war ein Beleg großer Klasse. Dass diese Klasse einmal mehr zum Vorschein kam, mag sich Hertha nicht unbedingt am Sonntag, aber in den Wochen zuvor erarbeitet haben. "Hertha hat gezeigt, dass sie sehr gute Einzelspieler hat, die nur einen Moment brauchen, um zuzustechen", musste Fürth-Trainer Heiko Vogel anerkennen.
In der reinen Spielleistung war am Sonntag nicht zu erkennen, welches Team vor Anpfiff Tabellenplatz eins und 14 belegt hatte. Momentum, Glück und individuelle Qualität sorgten letztendlich für den siebten Sieg im siebten Spiel für Hertha.
Es fehlt nur noch ein Dreier, um den Startrekord von Hannover 96 aus der Saison 1986/87 einzustellen. Bereits sieben Punkte trennen Hertha von Tabellenplatz drei. Ein fast schon aberwitziger Saisonstart, blickt man auf die Erwartungen vor Beginn der Spielzeit zurück.

Hertha-Trainer Stefan Leitl
Doch wie weit Hertha in seiner Entwicklung gekommen ist, ist nur bedingt an der Tabelle abzulesen. Es zeigt sich auch darin, wie Spieler und Verantwortliche mit dem Sieg gegen Fürth umgehen. "Es gibt heute zwei Sachen, die richtig cool sind: Zum einen hatten wir 58.000 Zuschauer im Stadion, das ist sensationell. Zum anderen der Sieg", analysierte Leitl nüchtern. Die Leistung zählt nicht dazu. "Ich erwarte eine andere Haltung, deshalb bin ich sehr kritisch."
Es herrscht eine neue Gier im Berliner Westend. Eine Gier, die weit tragen kann.
Sendung: rbb24 Inforadio, 11.10.2026, 17:40 Uhr Audio: rbb24 Inforadio, 11.10.2026, Christian Riedel im Gespräch mit Nikolaus Hillmann
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