Sportschau
12 september 2026

Stand: 12.09.2026 • 11:45 Uhr
Mit seinem Treffer beim 5:0 des FC Bayern gegen Bodö/Glimt in der Champions League meldete sich Alphonso Davies zurück. Nach Verletzungen und wachsender Konkurrenz setzte der Kanadier ein starkes Zeichen im Kampf um seinen Stammplatz.
Beim souveränen 5:0 (0:0) des FC Bayern gegen Bodö/Glimt gehörte die große Bühne zunächst Jamal Musiala. Nach schweren Monaten feierte der Nationalspieler sein Startelf-Comeback, erzielte selbst einen Treffer und zeigte mit seinen Dribblings und seiner Dynamik, warum die Münchner so lange auf seine Rückkehr gewartet hatten. Doch im Schatten des viel beachteten Musiala-Comebacks schrieb auch Alphonso Davies seine eigene Geschichte.
Mit seinem sehenswerten Treffer zum 3:0 in der 77. Minute setzte der Kanadier nach langer Leidenszeit ein wichtiges Zeichen. Einst elektrisierte Davies die Allianz Arena mit seinem Tempo, explosiven Antritten und seiner offensiven Wucht. Heute kämpft der 25-Jährige um seinen Platz im Bayern-Team.
Lange schien Davies beim FC Bayern unangreifbar. Seine Kombination aus Geschwindigkeit, Dynamik und offensiver Qualität machte ihn zu einem der auffälligsten Außenverteidiger Europas. Mit mehr als 36,5 km/h zählte er zu den schnellsten Spielern auf seiner Position und hatte maßgeblichen Anteil am Champions-League-Triumph 2020.
Doch mehrere Verletzungen und Rückschläge warfen ihn immer wieder zurück. Der fehlende Spielrhythmus erschwerte es ihm, dauerhaft an sein früheres Niveau anzuknüpfen. Aus dem Leistungsträger wurde so ein Spieler, dessen Platz im Team nicht mehr selbstverständlich ist – und der zwischenzeitlich sogar als Verkaufskandidat galt.
Denn die Konkurrenz auf der linken Seite ist größer geworden. Der Rekordmeister verpflichtete im Sommer Nathaniel Brown für rund 50 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt. Der Nationalspieler kam bislang allerdings noch nicht als klassischer Linksverteidiger zum Einsatz, sondern wurde vor allem als Ersatz für Musiala auf der Zehnerposition eingesetzt. Gegen Bodö/Glimt blieb Brown 90 Minuten auf der Bank.
Die Botschaft von Trainer Vincent Kompany war damit eindeutig: Wenn es um die linke Abwehrseite geht, genießt Davies weiterhin Vertrauen. Ein Spieler mit einem derart ausgeprägten Tempo- und Antrittsprofil ist im Kader kaum ein zweites Mal zu finden. Der 25-Jährige kann aus der eigenen Hälfte heraus innerhalb weniger Sekunden einen Angriff einleiten und mit seinem Tempo ganze Abwehrreihen auseinanderziehen.
Gleichzeitig erinnert seine Geschichte daran, wie viele Rückschläge der Kanadier in den vergangenen Monaten verkraften musste. Im Champions-League-Halbfinale gegen PSG sorgte der Kanadier im Hinspiel mit einem Handspiel im eigenen Strafraum für eine umstrittene Szene. Der Schiedsrichter entschied auf Handelfmeter – der FCB verlor am Ende mit 4:5. Noch bitterer wurde es im Rückspiel: Davies zog sich eine Oberschenkelverletzung zu.
Die hatte auch Auswirkungen auf seinen großen Traum: die Weltmeisterschaft 2026 im eigenen Land. Als Kapitän und Aushängeschild Kanadas sollte Davies bei der Heim-WM eine zentrale Rolle spielen. Stattdessen kam er wegen seiner Verletzung nur in einem Spiel zum Einsatz. Ganz anders noch 2022: Damals hatte Davies gegen Kroatien das erste WM-Tor Kanadas erzielt und Geschichte geschrieben.
Die enttäuschende WM war ein weiterer Tiefpunkt einer langen Leidensgeschichte, die bereits im März 2025 begonnen hatte. Bei einem Spiel für die kanadische Nationalmannschaft erlitt Davies einen Kreuzbandriss im rechten Knie samt Knorpelschaden. Neun Monate Pause waren die Folge. Nach seinem Comeback im Dezember 2025 verhinderten weitere Muskelverletzungen, dass er dauerhaft seinen Rhythmus fand.
Auch mental hinterließen die Rückschläge Spuren. Davies erklärte selbst, dass er nach seiner Rückkehr auf dem Platz vorsichtiger agiert habe, weil er seinem Körper noch nicht wieder vollständig vertraute. "Da habe ich nicht wie ich selbst gespielt", sagte er auf seinem YouTube-Kanal.
2020 war Davies noch einer der großen Stars des Teams, das die Champions League gewann. Heute kämpft er um seine sportliche Zukunft in München. Mit rund 20 Millionen Euro Jahresgehalt gehört er zu den Topverdienern des Klubs. Gleichzeitig konnte er seit seiner Vertragsverlängerung nicht dauerhaft an seine besten Zeiten anknüpfen.
Trotzdem ist Davies bei den Münchner Fans weiterhin beliebt. Sie kennen seine Geschichte und wissen um seine Qualitäten. Sein Treffer gegen Bodö/Glimt war daher ein wichtiges Zeichen. Jetzt muss der Kanadier zeigen, dass aus dem Ausrufezeichen auch Konstanz werden kann.
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Quelle: BR24 Radio 11.09.2026 - 07:54 Uhr
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