Sportschau
8 octombrie 2026

Stand: 08.10.2026 • 19:55 Uhr
Torhüterin Ena Mahmutovic wird am Freitagabend gegen Australien ihr drittes Länderspiel bestreiten. Die Münchnerin vertritt Stammkeeperin Ann-Katrin Berger. Ansprüche, Deutschlands Nummer eins zu werden, erhebt sie nicht - Bayern-Direktorin Bianca Rech war in dieser Sache vorgeprescht.
"Ena ist die Zukunft der Nationalmannschaft", hatte Rech vor einigen Wochen gesagt. Die Direktorin Frauenfußball von Bayern München sieht Ann-Katrin Berger zwar aktuell als Nummer eins, jedoch solle auch Mahmutovic aufgrund ihrer Leistungen regelmäßig für das DFB-Team spielen.
"Eigentlich ist es normal, wenn eine Sportdirektorin ihre eigenen Spielerinnen pusht. Ist ein nettes Kompliment für mich. Aber ich habe da nichts hinzuzufügen", sagt die Keeperin mit einem Lächeln. Und im Sportschau-Interview angesprochen auf dem Traum von der Nummer eins: "Ich will meine Leistung aus dem Verein hier bestätigen. Alles andere entschiedet sowieso der Trainer, und deswegen mache ich mir da keinen Druck."
Das deutsche Team trifft am Freitag (20.30 Uhr/in der Audio-Vollreportage bei sportschau.de) in Karlsruhe auf Australien. Am Dienstag (17.45 Uhr/live im Ersten und im Video-Livestream bei sportschau.de) ist dann in Bremen Asienmeister Japan der Gegner.
Auf der Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel gegen Australien sitzt Mahmutovic neben dem Bundestrainer. Schnell wird auch hier deutlich: Sie ist keine Lautsprecherin. Und in manchen Momenten ist die 22-Jährige auch in Christian Wücks Empfinden zu leise: "Genau das ist der Punkt. Sie muss laut werden, Kommandos geben, viel interagieren mit ihren Feldspielerinnen. Aber dafür ist sie noch eine sehr junge Torhüterin. Sie ist auf seinem sehr gutem Weg."
Wück lobt die Münchnerin für ihre Stärken im Torwartspiel: "Das hört sich immer so einfach an. Aber ihr Verhalten auf der Linie, ihr Spiel mit dem Fuß, was für uns sehr wichtig ist im Spielaufbau, da ist sie schon sehr weit." Später fügt er hinzu: "Aber ich brauche auch eine Torhüterin, die der Mannschaft durch ihre Auftreten Sicherheit gibt. Und da haben wir mit Ann-Katrin Berger einfach eine sehr erfahrene Spielerin, an der sich die jungen Spielerinnen viel abschauen können. Und das ist vielleicht ein Punkt, wo Ena sich noch weiterentwickeln kann."
Berger wird am Tag des Spiels gegen Australien 36 Jahre alt. Daran, dass sie weiterhin Deutschlands beste Torhüterin ist, zweifelt niemand. Die zweimalige Fußballerin des Jahres setzt in dieser Länderspielperiode aus, weil in der US-amerikanischen NWSL, wo Berger zwischen den Pfosten steht, die entscheidende Saisonphase ansteht. Mit ihrem Club Gotham FC hat sie im vergangenen Jahr den Titel geholt, aktuell steht das Team an der Tabellenspitze.

Für die 13 Jahre jüngere Mahmutovic ist sie ein Idol: "Sie ist einfach eine unnormal relaxte Person. Ihre Ruhe auf dem Spielfeld - da habe ich mir schon ein paar Tipps geholt, ebenso in Sachen Stellungsspiel. Da ist sie auch immer sehr proaktiv, denkt auch an uns jüngere Torhüterinnen, und da ist man sehr dankbar, dass man mit ihr trainieren darf."
Im Rennen um die Nummer zwei ist Mahmutovic an Stina Johannes vorbeigezogen. Die Wolfsburgerin zeigte bei ihren Einsätzen im Nationalteam - wie etwa im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich im vergangenen Herbst - starke Leistungen. In der Bundesliga aber häufen sich Unsicherheiten und Fehler. Mahmutovic, seit Sommer 2025 feste Stammtorhüterin bei den Münchner Serienmeisterinnen, hat in der vergangenen Spielzeit fast durchweg überzeugt.
"Es liegt auf der Hand, dass ich auch älter werde. Je mehr Spiele man macht, desto mehr Erfahrung bekommt man. Am Anfang ist man noch naiv - wenn ich an mein Nationalmannschaftsdebüt denke", erzählt sie im Rückblick auf die Partie gegen Italien im Dezember 2024, als ein grober Patzer, eine misslungene Finte, zum Gegentor führte und damit viel zur Niederlage beitrug.
"Aus solchen Sachen lernt man aber. Einfach zu wissen, wann ich mal einen Haken schlagen kann. Das wird ja auch nicht immer gern gesehen", sagt Mahmutovic und schaut zu Bundestrainer Wück, der neben ihr sitzt und ihre Aussage untermauert, indem er das Gesicht leicht verzieht. "Und man weiß dann auch, wann man den Ball einfach nach vorne knallen muss, weil keine Anspielstation da ist."
Dazu komme die internationale Erfahrung: "In der Champions League vor 60.000 im Camp Nou gegen Barcelona um den Finaleinzug zu spielen, das gibt einer Spielerin einfach unnormal viel." In der Bundesliga zeigte die Torhüterin in dieser Saison 15 Paraden in sechs Spielen, sie kassierte sechs Gegentore. Mit einer Paraden-Quote von 71 Prozent ist sie noch etwas vom hohen Wert (über 80 Prozent) der Vorsaison entfernt.
Nun will sie am Freitag gegen Australien "natürlich zu Null spielen." Das Team muss allerdings einige Ausfälle verkraften. Verteidigerin Bibiane Schulze-Solano und Angreiferin Selina Cerci fehlen verletzungsbedingt, Stürmerin Larissa Mühlhaus wegen eines Infekts, ein solcher hat nun auch noch Lea Schüller erwischt - die Angreiferin von Manchester United verpasste das Abschlusstraining. "Wir haben noch eine kleine Hoffnung bei Lea Schüller. Da müssen wir abwarten, ob sie Fieber bekommt und kurzfristig entscheiden, ob sie im Kader steht", so Wück.
Australien stand im Finale des Asien Cups, unterlag dort Japan - dem nächsten Testspielgegner der Deutschen. "Ich erwarte, dass wir in den nächsten beiden Spielen gefordert werden. Dass wir uns auf allerhöchsten Niveau weiterentwickeln können und ein bisschen eine Vorschau auf das bekommen, was uns bei der WM erwartet. Daraus wollen wir dann unsere Lehren ziehen", sagt Wück.
Mahmutovic blickt mit Vorfreude auf das Spiel gegen die Australierinnen, aber bleibt reserviert: "Es ist ein weiteres Fußballspiel. Es ist etwas Besonderes, weil es für Deutschland ist - das fühlt sich unfassbar an. Aber ich ändere nichts an meinen Routinen in der Vorbereitung. Ich schlafe gut, esse gut, dass kann man auch ein gutes Spiel spielen. Ich freue mich sehr. Kann eigentlich losgehen." Dann verlässt sie den Pressekonferenzraum. Ganz leise.
Dieses Thema im Programm: NDR.de | DFB-Frauen: Kader schrumpft vor Spiel gegen Australien | 08.10.2026 | 19:02 Uhr
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